von karten und dem schicksal.

folgende geschichte schwirrt mir schon unfassbar lange im kopf herum. ich habe bisher schon mehrere versuche gestartet, sie vernünftig auf papier zu bringen. meistens habe ich das geschriebene jedoch schnell wieder gelöscht, weil es zu unverständlich und zu kompliziert wurde. hier ist mein hundertster – und hoffentlich letzter – versuch:

also. um die geschichte für andere menschen etwas verständlicher zu gestalten, sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass ich kein grosser fan von religionen bin. dies bedeutet aber nicht, dass ich an nichts glaube. es ist schwer zu beschreiben, aber wenn ich gefragt werde, woran ich glaube, antworte ich mit: „an das universum und energien“ und karma, aber das erklärt sich ja von selbst, oder?

mit universum meine ich nicht das sonnensystem oder die milchstrasse, sondern viel mehr das schicksal, den zufall und die existenz von etwas höherem. ich glaube nicht, dass dieses „höhere“ menschlich ist oder einen namen hat, sondern einfach irgendwie präsent ist und unser leben (ein bisschen) beeinflusst.

ich glaube daran, dass das schicksal einen plan für jeden von uns hat. dieser plan ist nur sehr grob, er beinhaltet keine details wie „am montag gehst du mit deinen freunden beim italiener essen.“

nein, ich glaube eher, dass das schicksal einen großen einfluss auf die zwischenmenschlichen beziehungen und prägenden erlebnisse und momente unseres menschlichen daseins hat. also es schickt uns menschen, manche bleiben nur kurz, andere bleiben länger. und wieder andere bleiben (hoffentlich) für immer.

was die energien angeht, bin ich der festen überzeugung, dass das zu einem zurückkommt, was man selbst ausstrahlt. wenn ich ständig genervt und gestresst bin, begegne ich nur genervten und gestressten menschen.

was die höhere existenz betrifft, bin ich mir natürlich bewußt, dass das sehr nach dem glaubensbild des christentums klingt, aber die höhere existenz, an die ich glaube, ist eher sowas wie ein wegweiser oder schutzengel.

und nun beginnt meine eigentliche geschichte. meine freunde sagen oft, dass ich sehr ausführlich bin, was meine beschreibungen angeht und ich gerne mal abschweife. ich werde mir wirklich grosse mühe geben, nur die wichtigsten details zu nennen.

vor ein paar jahren habe ich mal an einer schule ein praktikum gemacht. zu dieser zeit hat mir mein vater gerade das autofahren beigebracht und so durfte ich an diesem regnerischen morgen selbst zur arbeit fahren. hätte ich ihn am abend zuvor jedoch nicht angefleht, fahren zu dürfen, wäre ich an diesem tag mit dem bus zur arbeit gefahren und wäre nicht am hinteren eingangstor vorbeigekommen.

und: während der fahrt meinte mein vater, ich solle doch einen anderen weg nehmen, da auf dem üblichen um diese uhrzeit meistens stau ist. ich fuhr also nicht den mir bekannten weg, sondern nahm quasi eine abkürzung.

vor der schule angekommen, verabschiedete ich mich von ihm und stieg aus. ich blieb noch kurz an der ecke stehen, wartete bis er ausser sichtweite war und rauchte noch eine, was er natürlich nicht wissen durfte.

da stand ich nun und blickte auf den boden. vor mir lag eine spielkarte. ich weiß nicht mehr genau, welche es war (irgendwo liegt die noch rum, doch dafür müsste ich aufstehen)

weit und breit war keine andere spielkarte zu sehen. ich wunderte mich etwas darüber und steckte sie ein. in meiner mittagspause googelte ich, was die karte bedeutet. also aus spiritueller sicht betrachtet.

ich weiss noch, dass die karte auf einen auslandsaufenthalt und eine große veränderung hindeutete. diese definition passte zu dieser zeit meines lebens wie die faust aufs auge. damals war ich sehr hin- und hergerissen. ich hatte die chance, im ausland psychologie zu studieren, war jedoch in einer festen beziehung und eine fernbeziehung kam damals nicht in frage. ich war viel zu jung für so eine prägende entscheidung. den rest des tages dachte ich nur noch an die karte und ihre bedeutung.

außerdem: was war das alles für ein riesiger zufall? hätte ich meinen vater am abend zuvor nicht überredet, wäre ich mit dem bus gefahren, hätte keine zeit mehr gehabt, eine zu rauchen, wäre somit nicht am hintertor vorbeigekommen und hätte die karte wahrscheinlich niemals gefunden. und dann passte sie auch noch so gut zu meiner situation.

tja, das ende des liedes ist: ich habe mich damals für das ausland und gegen meine beziehung entschieden. und ja, ich bereue es. das studium habe ich nach zwei jahren an den nagel gehängt, bin zu meinen eltern zurückgezogen, habe kurz gekellnert und ein paar monate später meine koffer gepackt und einen umzug nach berlin gewagt.

jetzt, zwei jahre später, sitze ich in berlin mit dem laptop auf den knien und einem glas weißwein und tippe diese zeilen. den mann, den ich damals verlassen habe, habe ich wieder an meiner seite. und ich bin glücklicher denn je.

das ende des liedes, ist aber nicht das ende der geschichte. im verlauf der letzten 4 jahre, habe ich noch unzählige solcher karten gefunden. einige haben wieder zu meiner jeweiligen situation gepasst, andere lagen knapp daneben.

eine weitere, einschneidende karte war diejenige, die ich an einem dienstag gefunden hatte. ich lief meinen gewohnten weg zur arbeit und sah eine kommode am strassenrand stehen, die wohl jemand rausgestellt haben musste. ich ging hin und entdeckte in der kommode eine einzige karte. ich nahm sie an mich und schaute nach, was sie bedeutet.

die karte deutete darauf hin, dass ich bald eine erfreuliche nachricht von einer mir nahestehenden person kriegen würde, die etwas verändern wird.
am nächsten tag schrieb mir der oben erwähnte mann, dass er mich einen tag später besuchen kommt. und dieser besuch hat alles so verändert.

hier in berlin habe ich besonders viele karten gefunden. vielleicht liegt es daran, dass es in dieser stadt genug verrückte gibt, die spielkarten in der gegend rumstreuen und noch mehr verrückte wie mich, die in solchen karten kleine prophezeihungen sehen.

aberglaube, ein wink des schicksals, höhere existenzen oder einfach nur zufall – egal was es war, diese einfachen spielkarten, die mit grösster wahrscheinlichkeit einfach nur jemandem aus der tasche gefallen sind, haben mir schon durch so manch schwere situation geholfen und wieder vertrauen geschenkt.

ich nenne sie liebevoll „zeichen am wegrand“ und hoffe, dass ich noch ganz viele davon finden werde.



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diese tage.

18. dezember 2018. ein tag, wie jeder andere auch. ich liege seit sonntag mit einer erkältung im bett und fange so langsam an, mich zu langweilen. netflix habe ich mittlerweile durch und lesen fällt mir schwer, da ich ständig kopfschmerzen habe.

langeweile ist nichts gutes, denn wenn mir langweilig ist, fange ich an, über mich und mein leben nachzudenken. in den vergangenen tagen habe ich ganz oft mein letztes jahr revue passieren lassen. junge junge, es ist so unglaublich viel passiert. beinahe nichts ist mehr so, wie es auf den tag genau vor einem jahr noch war.

freunde, die damals noch eine wichtige rolle gespielt haben, sind irgendwie von der bildfläche verschwunden. vielleicht ist das auch ganz gut so. ich glaube, je älter man wird, desto mehr beschränkt sich der freundeskreis auf die wirklich wichtigen menschen im leben. man ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, seinem job, seinem engsten sozialen umfeld, da haben flüchtige bekanntschaften oft keinen platz mehr.

worüber ich eigentlich schreiben möchte, sind jedoch diese tage. ihr wisst schon – tage, die einfach irgendwie seltsam sind. tage, an denen man sich seine schlechte laune nicht erklären kann. tage, an denen man sich am liebsten unter der bettdecke verkriechen oder in luft auflösen würde.

ich hatte in den vergangenen 12 monaten recht oft solche tage und ich kann mir bis heute nicht erklären, was der auslöser für meine gedrückte stimmung und meine plötzlichen tränenausbrüche war. und ist.

irgendwann im frühling diesen jahres, habe ich festgestellt, dass eigentlich normale tage öfter zu diesen tagen wurden. ich erwachte morgens und mir war nach heulen zumute. ohne jeglichen ersichtlichen grund. anfangs konnte ich das gar nicht benennen, ich fragte mich so oft, was mit mir los ist und was mit mir nicht stimmt. mittlerweile sind diese tage weniger geworden, aber ich habe irgendwie den eindruck, dass sie dafür mächtiger sind, wenn sie erst mal da sind.

mir fällt es deutlich leichter, mit solchen tagen umzugehen, seit ich ihnen einen namen gegeben habe. wenn ich morgens aufwache und merke, dass irgendwas nicht so ist, wie es sein sollte, hake ich es als einen dieser tage ab und gehe somit wesentlich entspannter damit um. ich habe im letzten jahr deutlich gemerkt, dass nicht immer alles unglaublich toll ist und dass es auch phasen gibt, in denen man nicht so unbeschwert glücklich ist, sondern ganz schön mit sich selbst zu kämpfen hat.

und das ist in ordnung.